Informationsveranstaltung Südlicher Candidplatz: Vorstellung der möglichen Bebauung, Kommentare und Eindrücke
Am 12. März 2025 fand ein „Dialog- und Informationsabend zur städtebaulichen Entwicklung am Candidplatz“ statt, veranstaltet vom Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung.
Vorgestellt wurde die von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für den südlichen Candidplatz/Ecke Schönstraße. Hier befinden sich derzeit ein Kindergarten (temporär) und eine große Freifläche mit Basketballplatz, Fußballplatz und Skate-Park.
Die Stadt würde den Platz gern der „Münchner Wohnen“ übertragen, die dort sowohl freie als auch geförderte Wohnungen bauen könnte. Einige Vertreter von „Münchner Wohnen“ waren also auch da.
Es wurden drei mögliche Varianten der Bebauung und Nutzung präsentiert, die wir für alle, die nicht dabei waren, ausführlich vorstellen wollen, damit ihr euch eine Meinung bilden könnt.
Variante 1 („Wohnen ohne Hochpunkt“)
Es handelt sich um zwei Hofbebauungen, bei der die Gebäude so angeordnet sind, dass sie jeweils einen Innenhof umschließen. Die Gebäude sollen zum Candidplatz hin aufsteigen mit 4, 6 und 8 Geschossen. Das würden ca. 227 Wohneinheiten.
Im Innenbereich könnte ein „Spielkorridor“ entstehen, die heutigen Spielflächen würden aufgeteilt: eine auf ein Dach, eine in den Korridor, der Skate-Park käme unter die Brücke des Mittleren Rings (an der Waldeckstraße, wo heute der Kletterfelsen „Dicker Hans“ und Parkplätze sind).
Auch in der Planung enthalten: ein Supermarkt, zwei Kitas (die schon bestehende und eine neue, beide mit Freispielflächen in den Innenhöfen), ein Kulturzentrum, Gemeinschaftsräume, Bürgertreff oder Ateliers.
Alle drei Varianten beinhalten eine Tiefgarage mit Einfahrt von der Schönstraße.
Kommentare dazu:
Diese Variante wollen die Verantwortlichen am liebsten sehen. In der Bewertung wurde nicht ein einziger Nachteil genannt. Aber die sind unserer Meinung nach zahlreich und schwerwiegend:
- Natürlich braucht München dringend bezahlbaren Wohnraum – aber ist das der richtige Ort dafür? Wohnqualität und Luftqualität für Bewohner direkt am Mittleren Ring / an der sich hochschlängelnden Candidstraße mit Dauerstau wurden nicht mal erwähnt!!
- Die vorgestellte Verdichtung ist überdimensioniert und viel zu dicht. In Untergiesing wurde und wird gerade rund um den Candidplatz extrem viel gebaut. Im Osram-Gelände sind 423 neue Wohneinheiten entstanden. Gebaut wird gerade auch im Hans-Mielich-Karree, wo massiv aufgestockt wird und Dutzende neue Wohnungen entstehen.
- Die Infrastruktur ist schon jetzt an der Grenze: überfüllte Busse, U-Bahn, Geschäfte, Kindergärten, Schulen – und nun noch mal 227 Wohneinheiten dazu? Das ist einfach zu viel.
- Die derzeit öffentlich zugänglichen Flächen des Platzes werden quasi auf null reduziert.
- Eine Spielfläche auf dem Dach ist nicht besonders niederschwellig. Das Betreten des Gebäudes und die Fahrt in das oberste Stockwerk können für viele Kinder und Jugendliche eine Hürde darstellen.
- Der geplante „Spielkorridor“ ist viel zu klein, den Jugendlichen wird einer der letzten Freiräume genommen, sie werden unter den Mittleren Ring „abgeschoben“.
Variante 2 („Wohnen mit Hochpunkt“)
Auch dieser Entwurf sieht eine Bebauung mit zwei Wohnblöcken vor – und zusätzlich eine „Hochpunktbebauung“, das heißt: ein Bürohochhaus. Entstehen würden ca. 137 Wohneinheiten.
In der Planung: Supermarkt und „Spielkorridor“, der in dieser Variante deutlich kleiner ausfällt. Die Spielflächen könnten aufgeteilt werden wie in Variante 1.
Kommentare dazu:
Diese Variante fiel komplett durch, alle Anwohner waren der einstimmige Meinung: Das Viertel braucht keinen Büroraum!
Variante 3 („mit reduzierter Bebauung“)
Hier wäre keine Blockbebauung, sondern eine stärkere Randbebauung vorgesehen, die nicht geschlossen ist und ca. 135 Wohneinheiten vorsieht. Die geplante Infrastruktur kann wohl nicht ganz untergebracht werden. Möglicherweise müssten die Bäume in der Schönstraße dran glauben.
Die Fläche für das Jugendspiel bliebe weiterhin sehr groß, ist allerdings nicht nach neuen Vorschriften schallgeschützt, es müsste eine Schallschutzwand gebaut werden. Und es könnte Stress geben mit der Nachbarschaft von Freifläche und Wohnen.
Kommentare dazu:
- Sehr positiv wurde häufig vermerkt: weniger Flächen- und Ressourcenverbrauch durch die geringere Bebauungsdichte
- Ebenfalls sehr positiv wurde genannt: viel mehr Raum für Sport und freie Fläche
Was gar nicht oder nur am Rande berücksichtigt wurde:
Wo bleibt eigentlich Variante 4: gar keine Bebauung?
Diese Frage stellten einige Nachbarinnen und Anwohner. Eine Machbarkeitsstudie sollte ja wohl erst mal ganz objektiv aufzeigen, was machbar ist, und dazu gehört auch eine bebauungsfreie Variante. Antwort: Darüber wird aktuell nicht nachgedacht. Es entstand doch stark der Eindruck, dass die Stadt uns eine Variante überstülpen will.
Der ökologische Aspekt kam deutlich zu kurz
Wir leben im Zeitalter der globalen Erwärmung. Wichtige Stichworte kamen aber nicht von den Planern, sondern ausschließlich von der Einwohnerschaft: Aufheizung, Schwammstadt, Erhalt aller Bäume, Luftschneisen, Tierwelt, Entsiegelung.
Und was ist mit den Sechzgern?
Die Lage zum Stadion wurde in keiner Weise erwähnt, auch dieser Aspekt kam ausschließlich aus den Reihen der Bürgerschaft. Die Freifläche wird alle zwei Wochen als Fantreff vor dem Heimspiel genutzt. Ein Umbau des Grünwalder Stadions ist nicht vom Tisch und die Freifläche war eingeplant für die Lagerung von Material und Baugerätschaften. Anfang Februar 2025 heißt es auf der Homepage der Löwen, dass die „geplante bauliche Ertüchtigung des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße weiterhin auf der Agenda steht und 2025 eine Entscheidung über Art und Umfang getroffen werden soll.“
Was macht der Investor gegenüber mit seinem „Candid-Tor“?
Die Rede war von einem „gemeinsamen Betrachten der laufenden Planungen in der Nähe“. Was soll das konkret heißen? Dazu kam von der Stadt nichts und das Thema wurde nicht wieder erwähnt.
Ausgleichsflächen
Da werden immer die Isarauen genannt – als ob die allein für die Untergiesinger da wären! An warmen Tagen und vor allem am Wochenende überrennt uns die halbe Stadt und einige Leute hinterlassen leider auch noch ihren Müll.
Wir möchten einen Treffpunkt fürs Viertel!
Viele Nachbarinnen und Anwohner wollen die Freifläche für die Jugendlichen erhalten und einen hinteren Teil des Platzes entsiegeln, um einen kleinen Park als Treffpunkt zu schaffen. Denn der Candidplatz wie er ist, ist kein Platz für Menschen, sondern ausschließlich für Verkehr. „Candidplatz menschlicher machen“, lautete ein Wunsch, dem wir uns anschließen – ein „echter“ Candidplatz für alle!!