Schreibt Mails oder Briefe an die Stadträt:innen: Adressenliste und Textvorlage
Hier findet ihr eine Liste mit den Adressen und Telefonnummern (ganz unten).
Und einen Brief, der ist aber nur ein Beispiel. Euer Text kann ganz anders aussehen. Oder ihr nehmt diesen Brief als Vorlage und kürzt und ändert und schreibt einfach dazu, wie es euch passt.
Betrifft: „Candidtor“, Änderung des Flächennutzugsplans & Bebauungsplan, TOP 1 und Städtische Flächen am Candidplatz, Änderung des Flächennutzungsplanes & Bebauungsplan, TOP 2 in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung am Mittwoch, 14.1.2026
Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,
Sie sind Mitglied im Ausschuss Stadtplanung und Bauordnung und ich wende mich als Anwohner des Stadtbezirks 18 an Sie.
Wir als betroffene Anwohner in Untergiesing sind entsetzt über die Beschlussvorlage, die Stadtbaurätin Merk Ihnen für die anstehende Sitzung vorlegt. Darin sind zahlreiche Fehldarstellungen und Halbwahrheiten enthalten. Dieser Antrag entspricht mehr oder weniger den Wünschen des Investors – und nimmt die berechtigen Anliegen der Anwohnerschaft nicht zur Kenntnis. Hier in aller Kürze zu einigen wichtigen Punkten aus dem Dokument:
Beschleunigtes Verfahren gem. § 13 a BauGB ohne Umweltprüfung
Es ist die Aufgabe von Frau Merk, im Interesse der Stadt zu handeln – sie tut das Gegenteil und befürwortet im Interesse des Investors ein beschleunigtes Verfahren ohne Umweltprüfung. Das ist ein Skandal!
Im gesamten Dokument findet sich keine Begründung, weshalb ein beschleunigtes Verfahren Anwendung finden sollte. Bürokratieabbau wird vorgeschoben und dringend notwendige Prüfungen von z. B. Schadstoffbelastung und Luftqualität sollen wegfallen.
Vor allem für die Frage des Verkehrs, der heute bereits ein massives Problem an der Kreuzung Candidplatz darstellt, wird keinerlei Lösungsansatz angeboten.
Anlass der Planung
Das Grundstück soll zu einem „attraktiven Bürostandort weiterentwickelt“ werden. Danke, brauchen wir nicht. München hat mehr als genug Leerstand von Büroflächen. Die Handvoll Wohnungen, die für Azubis entstehen sollen, sind „social washing“.
Stadtgestaltungskommission im Dezember 2021
In der Sitzung der Stadtgestaltungskommission hieß es, grundsätzlich könne man an diesem Ort „etwas Neues wagen“. Was hingegen nicht erwähnt wird, ist die Diskussion, in der zahlreiche sehr negative Stimmen laut wurden:
„Das Verhältnis des Volumens zur Grundstücksfläche ist völlig überdimensioniert.“
„Die Maßstäblichkeit ist nicht gewährleistet.“
„Es wird kein Bezug genommen auf die Bestandsbebauung.“
„Es besteht kaum bis keine Nutzbarkeit für den Stadtraum.“
„Es gibt keinen Bezugsmaßstab in der gegenwärtigen Traufhöhe.“
Bürgerworkshop im Mai 2022
Die Moderation der Veranstaltung wurde vom Investor bezahlt und hat entsprechend moderiert. Das war keine Partizipation.
Einwohnerversammlung im Juli 2022
Bei den anwesenden Bürger:innen fiel das Projekt komplett durch. Es wurden beinahe 30 Anträge gestellt, unter anderem wurden Studien beantragt und kritisch nachgefragt zu folgenden Punkten:
Luftverschmutzung
Lärmbelastung
Auswirkungen des Neubaus auf das Ökosystem Auer Mühlbach und auf Natur- und Artenschutz
Energie- und Nachhaltigkeitskonzept
Verkehrsaufkommen und Verkehrskonzept
Verschattung der angrenzenden Wohnviertel
Lichtverschmutzung
Festlegen einer Maximalhöhe
Einfügung ins Stadtviertel nicht gegeben
Kulturelle und bürgerschaftliche Einrichtungen verpflichtend machen
Bisher wurde nicht eine Studie in Auftrag gegeben – und jetzt soll die Umweltprüfung komplett wegfallen?!
Individualverkehr und ÖPNV
Untergiesing ist einer der am stärksten belasteten Stadtteile Münchens. Schon heute gibt es zweimal täglich im Berufsverkehr lange Rückstaus. Der Bus braucht dann schon mal 20 Minuten für eine Haltestelle. Wie ein „verträgliches Einbinden des Neuverkehrs“ geschehen soll, dazu bietet der Entwurf keinerlei Idee.
Der ÖPNV (U1) nähert sich der Grenze der Belastbarkeit, die Taktung des 52er-Busses wurde ausgedünnt, die Buslinie X 98 abgeschafft.
Die ab 2028 anstehende Renovierung der Thalkirchner Brücke wird zu einer weiteren deutlichen Zunahme des Verkehrsaufkommens führen.
Lärm und Schadstoffbelastung
Untergiesing ist „lufthygienisch stark vorbelastet“, was Feinstaub und Stickstoffdioxid angeht, und es wird nicht einmal an Ort und Stelle am Candidplatz gemessen. Mit Zunahme des Verkehrs werden auch die Schadstoffwerte und der Lärm entsprechend ansteigen.
Stadtbild und Höhenentwicklung
Der entstehende Hochpunkt an der Hans-Mielich-Straße ist in der Nachbarschaft ein kompletter Fremdkörper ohne jeden Bezug zu seiner Umgebung und darf auf keinen Fall als allgemeine Traufhöhe angesehen werden, an der man sich ausrichtet.
Ein neues Bauvorhaben muss sich einpassen und einen Bezug zum Viertel haben. Bei der derzeitigen Planung (64 Meter hoch! 17 Geschosse!) ist die Stadtbildverträglichkeit nicht gegeben. Ein Quartiers- oder Stadtteilzeichen entsprechend dem räumlichen Leitplan ist an diesem Standort überhaupt nicht vorgesehen. Sichtachsen werden eingeschränkt. Wir fordern, dass eine deutlich niedrigere Höhe festgeschrieben wird.
Mehrwert für die Anwohner
Sehen wir bei der derzeitigen Planung nicht gegeben. Kulturelle und Freizeitnutzungen wurden uns auch bei anderen Bauprojekten in Untergiesing schon angekündigt – und nie ausgeführt.
Sozialverträglichkeit
Mit dem Innenhof zwischen den Gebäuden des Ärztehauses verschwindet eine Freifläche, die bisher frei zugänglich war. Das kann nicht ersetzt werden durch einen angeblich freien Zugang zu einer Dachfläche des geplanten Baus, wenn dort Restaurantbetriebe mit Verzehrzwang untergebracht werden. Die angekündigten sozialen Einrichtungen befinden sich bereits heute in den Gebäuden, sofern nicht vom neuen Eigentümer herausgekündigt. Der geplante Beitrag zur Lebensqualität der Nachbarschaft ist begrenzt im Vergleich zu den zahlreichen Einbußen: höhere bauliche Dichte, Einschränkung von Freiräumen, Belastung durch zunehmenden Verkehr und damit mehr Luftverschmutzung und Lärm, großräumige Verschattung.
Medizinische Versorgung des Viertels
Der Bauherr/Investor ist bekannt dafür, mit „Ärztehäusern“ Rendite zu machen (auch in München, siehe am Heimeranplatz). In vergleichbaren Projekten wurden kassenärztliche Praxen häufig durch Privatpraxen ersetzt, was die medizinische Versorgung des Viertels verschlechtern kann. Private Finanzinvestoren drängen zunehmend in den Bereich der ambulanten Medizin, die Gewinnorientierung geht zulasten der Patienten. Die Risiken bestehen im Verlust der gemeinwohlorientierten Steuerung und im ökonomischen Druck durch Investoren.
Freiflächen
sollen unterhalb der Candidhochbrücke und auf den umliegenden städtischen Flächen nachgewiesen werden. Wieso sollten öffentliche Flächen als Ausgleichsmaßnahmen für private (Profit-)Interessen zur Verfügung gestellt werden? Noch dazu, wo die Candid GmbH in Grünwald gemeldet ist und nicht einmal in München Steuern zahlt.
Bauen bis zur Grundstücksgrenze
Abstandsflächen gelten also nicht für Investoren?
Natur und Umwelt
Das nahe gelegene Flora-Fauna-Habitat wird empfindlich gestört, die Lebenswelt von Vögeln, Fledermäusen, Insekten, Füchsen und zahlreichen weiteren Tieren massiv eingeschränkt.
Die „(Bestands-)Tiefgarage“
Warum in Klammern? Die bestehende Tiefgarage kann nicht erweitert werden. Die Stellplatzverordnung sieht aber vor, dass bei einem Neubau wie derzeit geplant deutlich mehr Plätze zur Verfügung stehen müssen. Es wird offenbar darauf spekuliert, bei einer geplanten Bebauung des Städtischen Candidplatzes (südlicher Teil) durch die Stadt (Münchner Wohnen) eine dort entstehende Tiefgarage zu nutzen. Das bedeutet, eine durch unsere Steuergelder gebaute Garage wird dem Investor zur Verfügung gestellt?!
Nachhaltigkeit
Die Stadt München hat den Klimanotstand ausgerufen und will bis 2035 Klimaneutralität erreichen. Und bei diesem Projekt soll keine Umweltprüfung stattfinden ?!
Die jetzige Bebauung entspricht nach wie vor den aktuellen Nutzungsanforderungen. Inwiefern soll der geplante Bürokomplex also zukunftsorientiert sein für das Stadtviertel Untergiesing?
Viele der bereits jetzt bestehenden Problemlagen würden sich bei einer Bebauung wie der geplanten drastisch verschlechtern.
Der zuständige Bezirksausschuss 18 hat sich mit überwältigender Mehrheit gegen das Projekt in seiner jetzigen Form ausgesprochen.
Wir als Anwohner verwahren uns gegen ein beschleunigtes Verfahren, das eine Umweltprüfung umgeht, die Öffentlichkeit ausschließt und eine Bürgerbeteiligung nicht vorsieht.
Hinter mir weiß ich die Bürgerinitiative „Candidplatz für alle“, auf deren Homepage Sie bei Interesse Näheres nachlesen können.
Wir sehen die Gefahr, dass berechtigte Interessen und Anliegen der Nachbarschaft übergangen oder nicht berücksichtigt werden, um private Profitinteressen zu befriedigen.
Daher bitte ich Sie dringend, am Mittwoch gegen den Entwurf der Stadtbaurätin in der vorliegenden Form zu stimmen.
Mit freundlichen Grüßen
Adressen von Parteien/Fraktionen im Stadtrat (nicht alle)
Postanschrift für alle: Marienplatz 8, 80331 München
SPD: spd-rathaus@muenchen.de
Telefon 233-92627
Die Grünen / Rosa Liste: gruene-rosaliste-fraktion@muenchen.de
Telefon 233-92620
CSU: csu-fraktion@muenchen.de
Telefon 233-92650
Die Linke / Die PARTEI: dielinke-diepartei@muenchen.de
Telefon 233-25232
FDP / Bayernpartei: fdpbayernpartei@muenchen.de
Telefon 233-20798
ÖDP / München-Liste: oedp-ml-fraktion@muenchen.de
Telefon 233-26922
Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung
SPD
(Dieter Reiter) buero.ob@muenchen.de
kathrin.abele@muenchen.de
simone.burger@muenchen.de
christian.koenig@muenchen.de
(Lars Mentrup) stadtrat@mentrup.org
(Frau) micky.wenngatz@muenchen.de
Die Grünen
paul.bickelbacher@t-online.de
ursula.harper@muenchen.de
angelika.pilz-strasser@muenchen.de
florian.schoenemann@muenchen.de
christian.smolka@muenchen.de
sibylle.stoehr@muenchen.de
sebastian@sebastian-weisenburger.de
Die Linke
brigitte.wolf@muenchen.de
FDP
joerg.hoffmann@muenchen.de
CSU / Freie Wähler
fabian.ewald@muenchen.de
hkainz@heike-kainz.de
andreas.babor@muenchen.de
ra@ra-kaum.de
hans-peter.mehling@muenchen.de
veronika.mirlach@muenchen.de
alexander.reissl@muenchen.de
München-Liste (wird gegen den Antrag stimmen)
dirk.hoepner@muenchen.de
Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Blumenstraße 28 b, 80331 München s.plan@muenchen.de
Planungsbezirk Ost: plan.ha2-44b@muenchen.de Telefon 233-22548
Bebauungspläne Bezirk Ost: plan.ha2-34b@muenchen.de Telefon 233-22038 oder 233-27161
Zentrale Dienste Telefon 233-22543
Pressestelle Telefon 233-20473
