Ein Gespräch mit Radhaus Helga

Am südlichen Candidplatz in Giesing könnte als Zwischennutzung ein Wagenplatz als alternatives Wohnprojekt entstehen. Im April fand bereits ein kleines Fest statt, bei dem man die Initiatorinnen und Initiatoren „Radhäuser am Candidplatz“  kennenlernen konnte. Im folgenden Interview sprechen Valentin und Paule über das Vorhaben. Paule lebt im „Stattpark Olga“, einem Münchner Wagenplatz-Projekt, das sich seit Jahren für bezahlbares Wohnen und unkommerzielle Freiräume einsetzt. Im Gespräch geht es um den Kampf in der Stadt, um konsumfreie Zonen und die Frage, wie sich der geplante Wagenplatz ins Viertel einfügen könnte.

Hallo ihr beiden. Wir haben am Ende der Reden gerade schon gehört, dass es hier auch um das Thema „konsumfreies Leben“ gehen soll. Es geht darum, dass alle Menschen hier in Giesing – ob jung oder alt – Platz zum Leben brauchen. Wie schätzt ihr die Situation hier auf dem südlichen Candidplatz ein?

Valentin: Wir sehen schon: Der Platz wird hier vielfältig benutzt, wir haben Sport- und Kulturfläche, hier sind Leute vor Ort, bis abends, spät in die Nacht hinein. Junge Menschen, die Basketball spielen, die Fußball spielen, skaten wollen. Trotzdem sehen wir aber auch, dass hier massiv gespart wurde am Ende: Der Platz ist schon sehr heruntergekommen. Trotz des Zustands hier, oder gerade deswegen sieht man: Es ist immer noch Riesenbedarf da, die Leute wollen sich irgendwo treffen, die Leute wollen sich vernetzen und brauchen diesen Freiraum. Und das tun sie trotz der verfallenen Bausubstanz hier.

Deswegen ist es, glaube ich, ganz wichtig darauf hinzuweisen, dass dieser Mangel weiterhin besteht und dass es nichts bringt, dem Viertel, der ganzen Stadt, wenn hier das nächste Bürogebäude hinkommt. Es braucht einfach draußen wie drinnen Gemeinschaftsflächen. Und generell können wir gut drauf hinweisen: Das Wagenprojekt soll ein inklusives Wohnprojekt werden. Es ist keine abgeschottete Gesellschaft, die sich hier in den Bauwägen einhamstern will. Es soll hier eine offene Bühne hin, eine Nachbarschaftsvernetzung stattfinden, wir wollen ja auch mit den Leuten ins Gespräch kommen, daher findet die Veranstaltung heute statt. Aber wir werden auch die nächsten Wochen im Viertel mit den Leuten, den Nachbarschaftsinitiativen Kontakt aufnehmen, um weiterhin auch bei der Stadt klare Kante zu zeigen, dass hier weiterhin alles zugebetoniert wird und auch die letzten öffentlichen Räume verschwinden.

Das ist ein spannender Punkt. Pläne zum Bebauen am Platz wurden schon oft von Politiker*innen mit dem Satz weg argumentiert: „Da ist ja eh nix“. Ihr habt gerade sehr gut erklärt, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen „Die Stadt macht hier nichts“ und „Hier ist nichts“. Die Kritik an den Wohnungen bei den Nachbar*innen kommt auch daher, dass auch diese neue Infrastruktur nach sich ziehen: Alle vier Ecken der Kreuzung werden bebaut oder sollen bebaut werden. Auch werden seit Jahren offen stehende Forderungen nach Messungen, was Luft und Lärmverschmutzung im Viertel angeht, ignoriert. Wie bewertet ihr den Kampf der Nachbarschaft in Giesing, die sich gegen diese Entwicklung wehrt?

Paule: Wenn die Stadtinfrastruktur durch etwas bereichert wird, dann sind wir sehr dafür. Wir wollen für eine belebte Fläche kämpfen und und wollen den Ideen der Bewohnerinnen für dieses Viertel überhaupt nicht im Weg stehen.

Valentin: Bevor wir in die ersten Verhandlungen mit dem Kommunalreferat gehen, möchten wir daher weiterhin den Austausch mit dem Viertel suchen. Wir können uns gut vorstellen, noch eine weitere Veranstaltung zu organisieren.

Paule: . Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft.