E-Mail eines Nachbarn zum südlichen Candidplatz und deren Beantwortung

Ursprungs E-Mail: 

Servus Ihr lieben Candidplatz Aktivisten, 

ich habe mich schon länger mit der Thematik beschäftigt, etwas auf Eurer Seite gestöbert, habe Euer Treffen mitbekommen und auch die Demo. Ich durchquere auch nahezu täglich den Skaterplatz.

Dies ist ein so verkommener Platz geworden, ich finde diesen Bereich widerlich, dreckig und auch gefährlich. Im Winter dunkel und unbeleuchtet und wenn es mal geschneit, gefroren hat, zu Fuß extrem gefährlich.

Der Platz ist komplett versiegelt und bietet für Anwohner überhaupt keinen Erholungswert. Er dient lediglich als Abkürzung!

Seit Monaten hausen obdachlose osteuropäische Alkoholiker in dem Container, der ja eigentlich nicht dafür vorgesehen ist, dass dort Obdachlose hausen.

Eigentlich sollte das ja ein Unterstand für spielende Jugendliche und Kinder sein.

Der Platz ist vermüllt, voller Scherben, Essenreste ,Ratten . Es wird dort viel und regelmäßig Alkohol konsumiert und gekifft, obwohl dort in unmittelbarer Nähe Kinder spielen.

Die Obdachlosen füttern vor ihrer Blechvilla Tauben…und Ratten, die ja nachts dann rauskommen.

Ich weiß ehrlich nicht, was an diesem Platz noch erhaltenswert ist.

Bei 1860 Heimspielen ist dieser Platz auch nur Treff zum Vorglühen und es wird ausschließlich und viel  Alkohol getrunken. Skater ,Kinder und Jugendliche werden dafür verdrängt oder sind mitten im Besäufnis. (Ihr seid selber Eltern und zieht Kinder auf? Ihr lasst die etwa wirklich auf so einen versifften Platz alleine?)

Dazu wird dann dieser Freiraum auch als Parkplatz bei 1860 Heimspielen missbraucht. Das ist mir schon immer schleierhaft, wie das erlaubt sein kann. 

Das hat nichts mit „candidplatz-fuer-alle“ zu tun.

Ich persönlich ,und wahrscheinlich auch viele Anwohner werden es begrüßen, wenn dieser Schandfleck einer schönen Wohnlage weichen muss.

Bewirtschaftete Wege, kein Müll,keine Obdachlosen, keine FAn PKW, keine großen Trinkgelage, Licht, mehr grün!

Meine Frage: Wenn Euch so viel wert an diesem Schandfleck von Freiraum ist, warum sorgt Ihr nicht dafür, dass dort etwas mehr Ordnung herrscht? Zum Beispiel diese Obdachlose aus dem Container (hab da ja auch schon mehrfach darauf hingewiesen und es tut sich nichts!!!) entfernen, Kiffer aus diesem Bereich verbannen und die Polizei zu mehr Kontrollen bewegen. Dort ist Kiffen nämlich weiterhin verboten , aber an den Tischtennisplatten wird gekifft was das Zeugs hält.

Der jetzige Zustand dort spielt den Investoren und Befürwortern einer baulichen Nutzung der Freifläche voll in die Hände.  Vielleicht solltet Ihr auch was für Eure Freifläche tun.

Ich kenne eine Frau, die dort nach dem Oktoberfest auf dem Heimweg dort ein sehr unschönes Erlebnis hatte und aufgrund dieses sexuell motivierten Vorfalls nicht mehr durch den  Platz nach Hause geht. Ganz sicher ist es dort nämlich nicht mehr . Untergiesing hat sich auch verändert.

Trotzdem weiterhin Erfolg. 

Beste Grüße

XXXXXX

Antwort von Candidplatz für Alle: 

Sehr geehrter Herr XXXX,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Selten lässt sich die Logik von Verdrängung, Angst und sozialer Arroganz so konzentriert lesen wie in Ihrem Schreiben. Insofern: Danke für diese Klarheit.

Sie beschreiben den Candidplatz als „verkommen“, „widerlich“ und „gefährlich“. Auffällig ist dabei, dass Sie kaum über den Ort sprechen, sondern fast ausschließlich über Menschen, die Ihnen dort nicht passen. Besonders aufschlussreich ist Ihre Formulierung von „obdachlosen osteuropäischen Alkoholikern“. Diese Kombination ist schlicht rhetorisch gesehen, sozial abwertend, ethnisch markierend, moralisch entwertend. Armut bekommt bei Ihnen einen Pass – und verliert damit offenbar ihr Existenzrecht.

Ihr Ordnungsbegriff ist dabei bemerkenswert simpel: Ordnung entsteht, wenn die Störenden verschwinden. Obdachlose weg. Trinkende weg. Kiffende weg. Fußballfans weg. Jugendliche bitte nur, wenn sie leise, sauber und unsichtbar sind. Das nennen Sie dann ernsthaft einen Platz „für alle“. Tatsächlich beschreiben Sie einen Raum für eine sehr kleine, sehr homogene Gruppe – und für deren Ruhebedürfnis.

Sie kritisieren Eltern, die dort ihre Kinder spielen lassen, und legen nahe, diese handelten leichtfertig oder verantwortungslos. Das Gegenteil ist der Fall. Viele dieser Familien leben seit Jahren in unmittelbarer Nähe des Platzes. Sie kennen sich, sie tauschen sich aus, sie achten aufeinander. Der Candidplatz ist für sie kein anonymer Gefahrenraum, sondern ein sozialer Treffpunkt, ein gemeinsamer Außenraum, in dem Aufsicht nicht individualisiert, sondern geteilt wird. Kinder nutzen dort unkommerzielle Sportangebote – unter anderem einen städtisch geförderten, kostenlosen Skateboardkurs in den Sommermonaten. Eltern sind präsent, ansprechbar, eingebunden. Genau diese soziale Dichte erhöht die Sicherheit erheblich. Wer das als Problem beschreibt, offenbart weniger Sorge um Kinder als ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber gelebtem nachbarschaftlichem Zusammenleben.

Besonders entlarvend ist Ihre Forderung, obdachlose Menschen „aus dem Container zu entfernen“. Kein Wort darüber, wohin. Kein Gedanke an Unterbringung, Hilfe oder Verantwortung. Menschen tauchen in Ihrem Text ausschließlich als Problem auf, nie als Teil der Stadt. Dass Sie dies offenbar für eine sachliche ordnungspolitische Maßnahme halten, sagt mehr über Ihr Gesellschaftsbild als über den Platz aus.

Sie beklagen Dunkelheit, Müll und Unsicherheit, ziehen daraus aber konsequent nur eine Schlussfolgerung: mehr Polizei, mehr Verbote, mehr Verdrängung. Dass diese Zustände das Ergebnis jahrelanger politischer Vernachlässigung sind – fehlende Beleuchtung, fehlende Pflege, fehlende soziale Angebote – interessiert Sie nicht. Verantwortung soll bitte jemand anderes übernehmen, Hauptsache, das Ärgernis verschwindet aus Ihrem Stadtbild.

Fast schon beeindruckend ist Ihre Ironie-Freiheit, wenn Sie schreiben, der Zustand des Platzes spiele Investoren in die Hände. Genau dieses Narrativ – öffentlicher Raum sei gescheitert, gefährlich und unzumutbar – ist der Klassiker jeder Privatisierungsagenda. Sie liefern die Argumente dafür gleich mit, während Sie sich gleichzeitig über deren Konsequenzen empören.

Den von Ihnen erwähnten sexualisierten Übergriff nehmen wir ernst. Ihn jedoch pauschal einem bestimmten Ort, einzelnen Nutzergruppen oder einer ominösen „Veränderung Untergiesings“ zuzuschreiben, ist kein Beitrag zur Sicherheit, sondern Stimmungsmache. Auch argumentativ trägt dieser Verweis nicht: Die überwiegende Mehrheit sexualisierter Übergriffe findet im privaten Umfeld statt, nicht im öffentlichen Raum. Unsicherheit entsteht daher nicht durch die bloße Anwesenheit armen oder alkoholkranker Menschen, sondern durch strukturelle Ignoranz, soziale Kälte und politisches Wegschauen.

Ihre abschließende Frage, warum wir nicht „für mehr Ordnung sorgen“, lässt sich klar beantworten: Weil wir keine Räumkolonne für unbequeme Realität sind. Wir glauben nicht, dass Städte besser werden, wenn man alles entfernt, was nicht ins eigene Wohlfühlbild passt.

Öffentlicher Raum ist kein Wohnzimmer. Er ist widersprüchlich, laut, manchmal unangenehm – und genau deshalb öffentlich. Wer ihn nur erträgt, solange er sauber, ruhig und sozial selektiert ist, lehnt ihn im Kern ab.

Ein Platz wird nicht lebenswerter, indem man die Schwächsten vertreibt. Er wird nur lebenswerter, wenn man akzeptiert, dass Stadt mehr ist als die Summe privater Komfortzonen.

In diesem Sinne schöne Grüße,
Candidplatz für Alle

 

Antwort des Nachbarn:

Ungelesen nach 3 Sätzen zurück an Absender . Selten soviel Scheisse in 3 Sätzen einer Email gelesen.
Kann nur aus dem Hirn eines GenZ Menschen stammen.
Trotzdem Danke für Ihre Mühe.

Mahlzeit

 

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